bad news

denn:

har har….

hier das neuste interview von sebastian pflugbeil über fukushima,stresstests und die medienlandschaft:

https://i2.wp.com/www.beobachter.ch/typo3temp/pics/Atomare_Sicherheit_a561dbd244.jpg
«Die Situation ist alles andere als unter Kontrolle»: Physiker Sebastian Pflugbeil

Den Radio- und TV-Stationen gibt er schon seit Wochen keine Interviews mehr. Die Fragen zur Reaktorkatastrophe in Japan seien oftmals so verharmlosend gewesen, «dass man erst einmal eine Weile reden musste, um die Frage richtig zu formulieren, bevor man überhaupt antworten konnte», sagt Sebastian Pflugbeil. «Aber wenn man bloss eine Minute und 40 Sekunden Zeit hat, kriegt man das kaum hin.»

Dabei hätte der Präsident der deutschen Gesellschaft für Strahlenschutz so einiges zu erzählen. Der heute 63-Jährige war in der DDR in der Bürgerrechtsbe-
wegung aktiv und 1989 Mitbegründer des Neuen Forums. In der letzten DDR-Regierung war er Minister ohne Portefeuille. In dieser Zeit stellte der promovierte Physiker eine Dokumentation über die Atomkraftwerke der DDR zusammen. Die Sicherheitsmängel, die er dabei entdeckte, führten deren rasches Ende herbei: Im Juni 1990 wurden die beiden DDR-Atomkraftwerke in Greifswald und Rheinsberg abgestellt. Pflugbeil war nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl auch einer der wenigen Menschen, die den Sarkophag um den zerstörten Reaktor von innen inspizieren konnten. Die Gesellschaft für Strahlenschutz (GfS), der Pflugbeil vorsteht, ist eine Vereinigung von kritischen Wissenschaftlern aus verschiedenen Fachbereichen; sie war eine der ersten Organisationen, die nach der Katastrophe von Fukushima von einem Super-GAU sprachen und warnten, der Atomunfall werde die Dimensionen des Unglücks von Tschernobyl erreichen.

Beobachter: «Fukushima» findet schon seit Wochen nur noch in den Randspalten der 
Zeitungen statt. Liegt das Schlimmste hinter uns?

Sebastian Pflugbeil: Nein, überhaupt nicht. Die Strahlenbelastung im Gelände des AKWs Fukushima ist immer noch so hoch, dass man an den Anlagen praktisch nicht arbeiten kann. Es werden immer noch Menschen aus der Umgebung evakuiert, wobei als tolerabel gilt, dass sie pro Jahr 
eine Strahlendosis von bis zu 20 Millisievert abbekommen. Unter Normalbedingungen ist das jedoch der Höchstwert für beruflich strahlenexponierte ­Personen.

Beobachter: Aber die Gefahr ist mittlerweile eingrenzbar?

Pflugbeil: Nein, die Situation ist völlig unübersichtlich und alles andere als unter Kontrolle. Im AKW Fukushima fallen immer noch riesige Mengen radioaktiv hochkontaminierter Flüssigkeiten an, die jetzt einfach mal in grosse Behälter gekippt werden. Man kann bloss beten, dass das am Ende irgendwie nicht doch im Pazifik landet. Überdies gibt es erste Angaben zu kontaminiertem Walfleisch und zu Algen mit zu hohen Strahlenwerten.

Beobachter: Je kleiner die Schlagzeilen, desto grösser also die Katastrophe?

Pflugbeil: Medien halten es halt nicht aus, sich länger als eine Woche mit einem Thema zu beschäftigen. Dann läuft die nächste Sau durchs Dorf.

Beobachter: Ein Schweizer Strahlenschutzexperte hat aber kürzlich erklärt, die Meldungen über die Strahlenexposition der Arbeiter in Fukushima seien teilweise massiv übertrieben gewesen.

Pflugbeil: Das halte ich für wenig plausibel. Am Anfang hatte man schlicht zu wenig Dosimeter zur Verfügung, um die Situation zu überwachen. In den vergangenen Wochen sind aber immer mehr Arbeiter aus Fukushima abgezogen worden, weil sie die 
zulässige Strahlendosis überschritten hatten. Ich halte die Aussage, da sei übertrieben worden, deshalb für nicht belegbar. In meinen Recherchen habe ich keine entsprechenden Hinweise gefunden.

Beobachter: Zudem spricht man bloss von einer guten 
Handvoll verstrahlter Mitarbeiter. Direkte Schäden bei Personen sind ja keine bekannt.

Pflugbeil: Es gab schon Verbrennungen, etwa bei 
Arbeitern, die ihre Schutzkleidung nicht ordentlich abgedichtet hatten und dann mit den Füssen in kontaminiertes Wasser traten. Aber die Mehrheit der Strahlenschäden sind sowieso sogenannte stochastische Schäden. Die werden irgendwann in den nächsten Jahrzehnten auftreten, und es wird ein buntes Spektrum von Erkrankungen geben: Krebs, Leukämie, aber auch andere Krankheiten. Darüber weiss man einiges, unter anderem aus Tschernobyl.

Beobachter: Zuletzt sind immer mehr Fakten bekannt 
geworden: dass es in drei Reaktoren zu Kernschmelze gekommen ist oder dass man im Grundwasser das hochgefährliche Strontium gefunden hat. Hat das für Sie das Bild der ­Katastrophe verändert?

Pflugbeil: Ich habe die Situation relativ früh so eingeschätzt, wie sie sich heute präsentiert. Dazu reichte das kleine Einmaleins der Kerntechnik. Mir war früh klar, dass es zur Kernschmelze gekommen sein musste. Wenn kein Kühlwasser mehr vorhanden ist, dann passiert das einfach. Das ist physikalisch so sicher wie das Amen in der Kirche. Das 
Gerede in den Medien über «partielle Kernschmelzen» – das war kompletter Schwachsinn. Wenn eine Kernschmelze einmal losgegangen ist, dann hält sie nichts mehr auf. Bei der deutschen Gesellschaft für Strahlenschutz haben wir das praktisch von ­Anfang an so eingeschätzt, während die offiziellen Stellen geschwiegen haben. Das ist auch etwas, worüber man einmal nach­denken sollte.

Beobachter: Eine Schweizer Zeitschrift hat kürzlich vom «Super-GAU, der keiner war» berichtet. Für Sie war das aber einer, oder?

Pflugbeil: In den Medien wurde noch spekuliert, ob es zu einem GAU kommen könnte, als der Super-GAU längst eingetreten war. Ein GAU ist das, was eine Anlage mit den eigenen technischen Vorkehrungen gerade noch beherrschen kann, damit keine schädigenden Emissionen das Werksgelände verlassen. In Fukushima wurde diese Schwelle bereits in den ersten Minuten des Unfalls überschritten.

Beobachter: In der Schweiz steht in Mühleberg ein AKW, das von der Bauart her mit dem Reaktorblock 1 in Fukushima vergleichbar ist. Gibt es denn aus ­Ihrer Sicht nach Fukushima Grund, sich mehr Sorgen um die Sicherheit zu machen?

Pflugbeil: Ja, natürlich. Im Gegensatz zum Katastrophenreaktor in Tschernobyl liegt Fukushima in einem Hightech-Land mit sehr disziplinierten Technikern und gut ausgebildeten Wissenschaftlern. Trotzdem sind alle Beteiligten hilflos im Umgang mit der Katastrophe, weil die Handbücher dazu nichts aussagen. Und es wird ein Fehler nach dem anderen gemacht. Bei uns wäre das genauso. Deshalb ist es umso angebrachter, scharf auf die eigenen Atomkraftwerke zu schauen und 
dafür zu sorgen, dass man die so schnell wie möglich loswird.

Beobachter: Immerhin sollen jetzt die europäischen und auch die Schweizer AKWs mit einem Stresstest überprüft werden. Wie beurteilen Sie diesen Test?

Pflugbeil: Das reicht eindeutig nicht.

Beobachter: Weshalb nicht?

Pflugbeil: Es ist immer dasselbe Problem: Überprüfungen von technisch derart komplizierten Anlagen können im Grunde genommen nur Fachleute durchführen, die in diesen Anlagen arbeiten und mit ihnen vertraut sind. Diese Fachleute sind aber insgesamt von ihrer Grundhaltung her nicht daran interessiert, irgendwelche Probleme festzustellen. Das liegt in der Natur der Sache. Leute, die eine kritische Vorstellung haben von der Funktion der Kernkraftwerke, verfügen in der Regel nicht über die notwendige Erfahrung mit dem Betrieb solcher Anlagen. Daher werden die Überprüfungen von den Kernkraftwerken selber gemacht. Die müssten sich ja praktisch selber bescheinigen, dass sie Schwachstellen haben. Das werden sie mit Sicherheit nicht tun.

Beobachter: Das spricht nicht für ein übermässig grosses Vertrauen in die Aufsichtsbehörden, die diese Stresstests kontrollieren müssen.

Pflugbeil: Auch die Aufsichtsbehörden sind dazu nicht in der Lage. Für die deutschen Kernkraftwerke hat die Reaktorsicherheitskommission einen solchen Stresstest angeordnet und durchgeführt. Diese Kommission ist zusammengesetzt aus Fachleuten vom TÜV, mehreren Vertretern von Kernkraftwerken, vom franzö-
sischen AKW-Bauer Areva, vom Stromkonzern E.on – alles Spezialisten, die ihre bisherige Arbeit in Frage stellen würden, wenn sie jetzt Probleme fänden. Die Kommissionsmitglieder haben sich an 
einen grossen Tisch gesetzt und Akten durchgeblättert, die ihnen die Betreiber der Kernkraftwerke zur Verfügung gestellt haben. Es hat kein einziger Besuch in 
einem Kernkraftwerk stattgefunden, keine einzige Messung, keine Materialprüfung. So taugt ein Stresstest nichts. Im Grunde ist er schon jetzt Makulatur.

http://hillbreaker.soup.io/

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Über nuckelchen

baujahr 1971 rheinländer
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